Die Internationale Kinesiologie Akademie ist
Mitglied bei den Freien Gesundheitsberufen, Dachverband für freie beratende und
Gesundheit fördernde Berufe e.V.
Freie
Gesundheitsberufe -
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Komplementäre Methoden für mündige Verbraucher
Tagung dokumentiert Selbstbewusstsein
der freien Gesundheitsförderung
Butzbach, 5.5.2006
„Gesundheit bewegt –
Komplementäre Methoden auf dem Vormarsch“ lautete Anfang April in Berlin das
Thema einer eintägigen Bestandsaufnahme zur Situation komplementärer
Angebote im Gesundheitsbereich. Die Beiträge machten deutlich, in welchem
hohen Ausmaß das konventionelle Gesundheitsverständnis heute in Bewegung
gekommen ist. Nach Angaben des einladenden „Dachverbandes für freie
beratende und gesundheitsfördernde Berufe – Frankfurter Gespräche“ nehmen in
Deutschland und in anderen westlichen Ländern immer mehr Menschen
traditionelle und neue Methoden der Gesundheitsförderung wie Yoga, Shiatsu
oder Kinesiologie in Anspruch. Dem entspricht eine aktuelle Definition der
Weltgesundheitsorganisation WHO, nach der „Gesundheit einen Zustand des
vollständigen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens darstellt
und mehr bedeutet als die bloße Abwesenheit von Krankheit und
Gebrechlichkeit“. Neben Praxisbeispielen zur Förderung der Mündigkeit von
Verbrauchern und Patienten standen Fragen zur Qualitätssicherung
ganzheitlicher Methoden sowie das Selbstverständnis ihrer meist freien
Anbieter im Mittelpunkt der Berliner Veranstaltung.
Die Frankfurter Gespräche hatten in diesem Zusammenhang eine
Pilotstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse bei der Tagung vorgestellt
wurden. Prof. Dr. Wilfried Belschner von der durchführenden Projektgruppe
der Universität Oldenburg ging bei der Auswertung kritisch auf das erst
rudimentär entwickelte Qualitätssicherungsbewusstsein vieler Verbände und
Ausbildungsinstitutionen ein. Es bleibe, so Belschner, auch ohne gesetzliche
Vorgaben ein vordringlicher Auftrag, die Qualität der Angebote und die
Kompetenz der Anbieter für den Verbraucher einheitlicher und transparenter
zu gestalten.
Eben diese Aufgabenstellung bildet in den Worten des
Vertreters der Frankfurter Gespräche Ausgangspunkt und Zielsetzung des
Dachverbandes. Ende 2004 war der umstrittene Entwurf eines den
Anbietermarkt reglementierenden „Lebensbewältigungshilfegesetzes“ endgültig
abgelehnt worden. Die Frankfurter Gespräche setzten sich davon unabhängig
seit Jahren für eine in Eigeninitiative zu leistende Qualitätssicherung der
lebensberatenden
und gesundheitsfördernden
Methoden ein. Sie entwickelten dazu erstmalig ein Instrumentarium an
methodenübergreifenden Qualitätskriterien und Ethikrichtlinien. Diese sind
verpflichtend für FG-Mitglieder und bieten Verbrauchern eine Gewähr für
Kompetenz der Anbieter und Transparenz der Angebote. Auf der Tagung lieferte
der Berater Robert Reichstein ergänzend einen Überblick über den aktuellen
Einsatz von - ursprünglich im Produktbereich entwickelten –
Qualitätsmanagementsystemen bei komplementären Methoden.
Die Forderung nach dem wissenschaftlichen
Wirksamkeitsnachweis dieser Methoden, so wurde im Beitrag des Berliner
Wissenschaftspublizisten Marco Bischof deutlich, wird oft genug als
Wettbewerbsargument benutzt. Ebenso wenig wie sich die Wirkungsweise etwa
von Akupunktur, Homöopathie und Psychoanalyse nach heutigem Stand der
Wissenschaft belegen lasse, sei dies, trotz erwiesener positiver
Anwendungsergebnisse, bisher für Yoga und viele andere Verfahren möglich.
Bischof ging auf die zunehmende Entwicklung eines salutogenetischen (d.h.
gesundheits- und nicht krankheitsorientierten) Behandlungsverständnisses in
den westlichen Ländern ein. Das heute überall verbreitete Wellness–Begriff
etwa beinhaltet ursprünglich - und im Kern auch weiterhin - die Integration
von körperlichen, emotionalen, intellektuellen, spirituellen, sozialen,
beruflichen und ökologischen Aspekten. Bischof verwies auch auf den
erfolgreichen
Anerkennungsprozess der ganzheitlichen
Komplementärmedizin in Großbritannien. Mit umso mehr Interesse hörten
deshalb die anwesenden Vertreter von Politik, Medien und Verbänden die
Forderung von Dr. Ellis Huber, dem früheren Präsidenten der Berliner
Ärztekammer, zur größeren Integration gesundheitsfördernder Maßnahmen in das
bestehende System. Huber plädierte für regionale Versorgungsnetze, die
Gesundheitsförderung, Krankenversorgung, Rehabilitation und psychosoziale
Hilfen in einem sicherstellen.
Ein weiterer
Tagungsbeitrag befasste sich mit der erfolgreichen Einführung des „Persönlichen Budgets“ in die
Behindertenhilfe von
Rheinland-Pfalz.
Das Modell erprobt nach den Worten von Joachim Speicher vom DPVW den
weitgehend vom Patienten bestimmten Einsatz seiner jeweiligen
Versicherungsleistung. Der Patient erhält damit die Möglichkeit, innerhalb
der Angebote der etablierten Medizin wie der alternativen Methoden frei zu
wählen. Von hoher Eigeninitiative getragen ist auch die Mitgliedschaft in
den seit 1987 bestehenden „Artabana“-Solidargemeinschaften.
Anders als bei üblichen Krankenversicherungen können die Mitglieder
hier völlig frei entscheiden, was sie für ihre Gesundheit tun und wer ihre
Helfer sind. Die Nachfrage nach dem neuen Modell bezeichnete der vortragende
Artabana-Repräsentant Bernhard Wallner als rasant steigend.
Der Tenor der Schlussplenums brachte wie die ganze Tagung
das sich deutlich entwickelnde Selbstbewusstsein der freien Anbieter
komplementärer Verfahren zum Ausdruck. Der Dachverband Frankfurter Gespräche
sprach sich denn auch in seinem Schlusswort für eine ihrer Bedeutung und
Nachfrage angemessene gesellschaftliche Anerkennung und Integration der
freien lebensberatenden
und gesundheitsfördernden
Methoden aus.
Die Tagungsbeiträge und die Pilotstudie sind über die
Webseite der Frankfurter Gespräche
www.freie-gesundheitsberufe.de
zu beziehen.