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Freie Gesundheitsberufe -

Dachverband für freie beratende
und Gesundheit fördernde Berufe e.V.

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Fon 06447 886 03 27
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www.freie-gesundheitsberufe.de

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Komplementäre Methoden für mündige Verbraucher
Tagung dokumentiert Selbstbewusstsein
der freien Gesundheitsförderung


Butzbach, 5.5.2006
„Gesundheit bewegt – Komplementäre Methoden auf dem Vormarsch“ lautete Anfang April in Berlin das Thema einer eintägigen Bestandsaufnahme zur Situation komplementärer Angebote im Gesundheitsbereich. Die Beiträge machten deutlich, in welchem hohen Ausmaß das konventionelle Gesundheitsverständnis heute in Bewegung gekommen ist. Nach Angaben des einladenden „Dachverbandes für freie beratende und gesundheitsfördernde Berufe – Frankfurter Gespräche“ nehmen in Deutschland und in anderen westlichen Ländern immer mehr Menschen traditionelle und neue Methoden der Gesundheitsförderung wie Yoga, Shiatsu oder Kinesiologie in Anspruch. Dem entspricht eine aktuelle Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO, nach der „Gesundheit einen Zustand des vollständigen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens darstellt und mehr bedeutet als die bloße Abwesenheit von Krankheit und Gebrechlichkeit“. Neben Praxisbeispielen zur Förderung der Mündigkeit von Verbrauchern und Patienten standen Fragen zur Qualitätssicherung ganzheitlicher Methoden sowie das Selbstverständnis ihrer meist freien Anbieter im Mittelpunkt der Berliner Veranstaltung.

Die Frankfurter Gespräche hatten in diesem Zusammenhang eine Pilotstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse bei der Tagung vorgestellt wurden. Prof. Dr. Wilfried Belschner von der durchführenden Projektgruppe der Universität Oldenburg ging bei der Auswertung kritisch auf das erst rudimentär entwickelte Qualitätssicherungsbewusstsein vieler Verbände und Ausbildungsinstitutionen ein. Es bleibe, so Belschner, auch ohne gesetzliche Vorgaben ein vordringlicher Auftrag, die Qualität der Angebote und die Kompetenz der Anbieter für den Verbraucher einheitlicher und  transparenter zu gestalten.

Eben diese Aufgabenstellung bildet in den Worten des Vertreters der Frankfurter Gespräche Ausgangspunkt und Zielsetzung des Dachverbandes.  Ende 2004 war der umstrittene Entwurf eines den Anbietermarkt reglementierenden „Lebensbewältigungshilfegesetzes“ endgültig abgelehnt worden. Die Frankfurter Gespräche setzten sich davon unabhängig seit Jahren für eine in Eigeninitiative zu leistende Qualitätssicherung der lebensberatenden und gesundheitsfördernden Methoden ein. Sie entwickelten dazu erstmalig ein Instrumentarium an methodenübergreifenden Qualitätskriterien und Ethikrichtlinien. Diese sind verpflichtend für FG-Mitglieder und bieten Verbrauchern eine Gewähr für Kompetenz der Anbieter und Transparenz der Angebote. Auf der Tagung lieferte der Berater Robert Reichstein ergänzend einen Überblick über den aktuellen Einsatz von - ursprünglich im Produktbereich entwickelten – Qualitätsmanagementsystemen bei komplementären Methoden.

Die Forderung nach dem wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis dieser  Methoden, so wurde im Beitrag des Berliner Wissenschaftspublizisten Marco Bischof deutlich, wird oft genug als Wettbewerbsargument benutzt. Ebenso wenig wie sich die Wirkungsweise etwa von Akupunktur, Homöopathie und Psychoanalyse nach heutigem Stand der Wissenschaft belegen lasse, sei dies, trotz erwiesener positiver Anwendungsergebnisse, bisher für Yoga und viele andere Verfahren möglich. Bischof ging auf die zunehmende Entwicklung eines salutogenetischen (d.h. gesundheits- und nicht krankheitsorientierten) Behandlungsverständnisses in den westlichen Ländern ein. Das heute überall verbreitete Wellness–Begriff etwa beinhaltet ursprünglich - und im Kern auch weiterhin - die Integration von körperlichen, emotionalen, intellektuellen, spirituellen, sozialen, beruflichen und ökologischen Aspekten. Bischof verwies auch auf den erfolgreichen

Anerkennungsprozess der ganzheitlichen Komplementärmedizin in Großbritannien. Mit umso mehr Interesse hörten deshalb die anwesenden Vertreter von Politik, Medien und Verbänden die Forderung von Dr. Ellis Huber, dem früheren Präsidenten der Berliner Ärztekammer, zur größeren Integration gesundheitsfördernder Maßnahmen in das bestehende System. Huber plädierte für regionale Versorgungsnetze, die Gesundheitsförderung, Krankenversorgung, Rehabilitation und psychosoziale Hilfen in einem sicherstellen.

Ein weiterer Tagungsbeitrag befasste sich mit der erfolgreichen Einführung des „Persönlichen Budgets“ in die Behindertenhilfe von Rheinland-Pfalz. Das Modell erprobt nach den Worten von Joachim Speicher vom DPVW den  weitgehend vom Patienten bestimmten Einsatz seiner jeweiligen Versicherungsleistung. Der Patient erhält damit die Möglichkeit, innerhalb der Angebote der etablierten Medizin wie der alternativen Methoden frei zu wählen. Von hoher Eigeninitiative getragen ist auch die Mitgliedschaft in den seit 1987 bestehenden „Artabana“-Solidargemeinschaften. Anders als bei üblichen  Krankenversicherungen können die Mitglieder hier völlig frei entscheiden, was sie für ihre Gesundheit tun und wer ihre Helfer sind. Die Nachfrage nach dem neuen Modell bezeichnete der vortragende Artabana-Repräsentant Bernhard Wallner als rasant steigend.

Der Tenor der Schlussplenums brachte wie die ganze Tagung das sich deutlich entwickelnde Selbstbewusstsein der freien Anbieter komplementärer Verfahren zum Ausdruck. Der Dachverband Frankfurter Gespräche sprach sich denn auch in seinem Schlusswort für eine ihrer Bedeutung und Nachfrage angemessene gesellschaftliche Anerkennung und Integration der freien lebensberatenden und gesundheitsfördernden Methoden aus. 

Die Tagungsbeiträge und die Pilotstudie sind über die Webseite der Frankfurter Gespräche www.freie-gesundheitsberufe.de zu beziehen.


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